Ein Blick in den Kopf eines Durchschnittsmilliardärs – The Intelligence

Ein Blick in den Kopf eines Durchschnittsmilliardärs – The Intelligence.


 Illu­mi­naten, Frei­mauer, Bil­der­berger — wer sich mal etwas Zeit nimmt, findet im Netz Hun­derte von Thesen und Geschichten von mehr oder weniger obskuren Geheim­bünden, die angeb­lich die Welt­herr­schaft anstreben oder bereits erlangt haben. Die Story ist im Grunde genommen immer die gleiche: Eine über­schau­bare Anzahl von Per­sonen zieht im Hin­ter­grund die Fäden, an denen der Rest der Mensch­heit zappelt.

Ich will diesen ganzen Sto­ries keine wei­tere hin­zu­fügen. Dieser Bei­trag beschäf­tigt sich daher nicht mit den o.g. Grup­pie­rungen. Mir geht es allein darum, zu ana­ly­sieren, ob es eine Gruppe Men­schen gibt, die

a) das Geld,

b) die Zeit,

c) die Macht

und

d) das Interesse

haben könnte, gewich­tige Ent­wick­lungen in der Welt zu beein­flussen, zu lenken und für ihre Zwecke einzusetzen.

Dazu sind einige Vor­über­le­gungen anzustellen:

1.) Ver­mö­gens­ver­tei­lung

In Deutsch­land gibt es 800.000 Mil­lio­näre, das sind ziem­lich genau 1 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Diese 800.000 Mil­lio­näre haben ein Ver­mögen von 2,2 Bil­lionen Euro. Im Bei den Mil­li­ar­dären wird es über­sicht­li­cher; 100 soll es in Deutsch­land geben, die ein Ver­mögen von 307 Mil­li­arden Euro besitzen.

2.) Jähr­li­ches Ein­kommen eines deut­schen Durchschnittsmilliardärs

Wenn man einmal einen deut­schen Durch­schnitts­mil­li­ardär (DSM) kre­ieren will, dann hat dieser ein Ver­mögen von 3 Mil­li­arden Euro. Oder anders aus­ge­drückt 3.000 Mil­lionen Euro. Natür­lich nicht in bar. Zumin­dest nicht den über­wie­genden Teil. Nein — das schöne Geld wird ange­legt. Im Durch­schnitt 33% in Aktien und Betei­li­gungen, 25% in Bonds (ver­zins­liche Wert­pa­piere), den Rest in Immo­bi­lien, Roh­stoffen, Edel­me­tallen. Denn es soll ja Ren­dite bringen.

Wenn man mal ganz kon­ser­vativ von einer Ren­dite von 5% pro Jahr aus­geht, dann „erwirt­schaftet“ unser DSM 150 Mil­lionen Euro. Jedes Jahr. Ohne jeden Tag acht Stunden irgendwo hin­zu­rennen. Um das täg­lich Brot, den Erhalt des Arbeits­platzes, Kosten für den Sport­verein oder all die anderen Pro­bleme Otto Nor­mal­ver­brau­chers, die irgendwie mit Geld zusam­men­hängen, muss sich der DSM def­intiv nicht küm­mern. Geld ist für ihn immer aus­rei­chend vorhanden.

3.) Soziale Beziehungen

„Gleich und Gleich gesellt sich gern.“ Sagt der Volks­mund. Stimmt auch. Ärzte sind mit Ärzten befreundet, Juristen mit Juristen, Läufer mit Läu­fern und Berg­steiger mit Berg­stei­gern. HartzIV-​Empfänger sind unter ihres­glei­chen ebenso wie Leute mit mitt­leren Ein­kommen ebenso wie die oberen Zehn­tau­send. Mil­lio­näre sind mit Mil­lio­nären befreundet. Und Mil­li­ar­däre wahr­schein­lich mit Mil­li­ar­dären. Dabei ist auch davon aus­zu­gehen, dass der „ein­fache“ oder „ein­stel­lige“ Mil­lionär für den Mil­li­ardär auch nur Pöbel dar­stellt, da die pro­zen­tuale Ungleich­heit ihrer Ver­mögen viel größer ist als zwi­schen einem Durch­schnitts­ver­diener und einem HartzIV-​Empfänger.

4.) Pro­bleme eines DSM

Was hat so ein DSM für Pro­bleme? Wahr­schein­lich erstmal die übli­chen: Stress mit der Frau und dem Rest der Familie, die Plautze, die Jahr für Jahr wächst, Falten im Gesicht, die liebe Gesund­heit, Alkohol, Drogen, Depres­sionen. Also alles Geschichten, die Otto Nor­mal­ver­brau­cher neben dem täg­li­chen Lauf im Hams­terrad erle­digt. Wahr­schein­lich wird sich der DSM allem etwas aus­führ­li­cher widmen als die rest­li­chen 99%.

Trotzdem dürfte dem DSM aus­rei­chend Zeit zur Ver­fü­gung stehen, um mit sei­nes­glei­chen die­je­nigen Pro­bleme zu bespre­chen, die nur diese klit­ze­kleine Elite betrifft. Was könnte das sein? Die Fea­tures der neuen Jacht? Der neue Well­ness­tempel in Indo­ne­sien? Der miese Zustand der Ski­pisten in Aspen? Schei­ßqua­lität bei Bentley? Wird sicher­lich auch Thema sein, aber nicht Stunden am Tag kosten. Tages­po­litik? Kann Thema sein, muss aber nicht — ich per­sön­lich denke eher nicht.

Warum sollte sich der DSM mit Tages­po­litik aus­ein­an­der­setzen? Sie betrifft ihn schließ­lich nicht. HartzIV-​Sätze, Pend­ler­pau­schale, die FDP, der Zustand der Pfle­ge­kassen, Spit­zen­steu­er­satz? Ist letzt­lich alles irre­le­vant. Wer jetzt meint: Naja, zumin­dest der Spit­zen­steu­er­satz ist aber schon rele­vant, oder? — dem sei gesagt: Irrtum! Der DSM zahlt keine 42 oder 45% Ein­kom­mens­steuer, son­dern pau­schal 25% Kapi­tal­er­trags­steuer auf seine Ein­künfte aus Kapi­tal­er­trägen. Nur mal so am Rande.

Jetzt die zen­trale Frage: Was könnte einen DSM wirk­lich interessieren?

Ein reflek­tierter DSM ist sich dessen bewusst, dass er extrem pri­vi­le­giert ist. Er weiß, dass 99% der Bevöl­ke­rung den ganzen Tag im Kreis her­um­rennen, damit es IHM gut geht. Er weiß, dass das ganze System auf IHN zuge­schnitten ist.

Das Ein­zige, was ihn des­wegen wirk­lich an Politik inter­es­sieren dürfte, ist, DASS ALLES SO BLEIBT, WIE ES IST. Nicht die Pend­ler­pau­schale oder Guido Wes­ter­welle als Außen­mi­nister. Nein — das große Ganze. Das Wirt­schafts– und Finanz­system. Das System der Geld­schöp­fung und des Zinses. Das garan­tiert ihm sein beschei­denes bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen von 150 Mio. Euro. Wichtig ist auch, dass die rest­li­chen 99% nicht auf die Idee kommen, dass irgend­etwas faul ist. Und dass nicht das Geld des DSM, son­dern sie, die 99%, das Grund­ein­kommen des DSM erwirt­schaften dürfen.

Gedan­ken­ex­pe­ri­ment:

Was würde ich tun, wenn ich ein DSM wäre, der weiß, wo der Hase hin­laufen muss?

Ich würde:

a) Fernseh– und Radio­sender, Nach­rich­ten­agen­turen, Zei­tungen und Ver­lage kaufen, um die öffent­liche Mei­nung in meinem Sinne zu beein­flussen. Alles, was nicht gefällt, wird weder gedruckt noch gezeigt,

b) Think Tanks, Stif­tungen, Insti­tute, Uni­ver­si­täten, Ver­eine und andere Orga­ni­sa­tionen gründen, die allein dazu da wären, das herr­schende System als das best­mög­liche dar­zu­stellen und alle kon­kur­rie­renden Ideen zu ver­schweigen, lächer­lich zu machen oder zu diffamieren,

c) mir ganz viele Sachen ein­fallen lassen, die die anderen 99% am Laufen halten. Neue Bedürf­nisse wecken (lassen), neue Ver­gnü­gungen erfinden (lassen), schöne neue Sachen pro­du­zieren (lassen), die alle haben wollen. Dann müssen sie näm­lich schön arbeiten gehen und haben keine Zeit ihr trost­loses Dasein zu reflektieren,

d) dafür sorgen, dass ARBEIT als normal, ja als erstre­bens­wert ange­sehen wird. Und wer nicht arbeitet, muss massiv unter Druck gesetzt werden, damit er sich wieder ins Hams­terrad begibt,

e) die Men­schen mög­lichst früh (Kita, Schule, Uni) so kon­di­tio­nieren, dass sie es als normal emp­finden, fünf Tage die Woche irgendwo hinzurennen,

f) teilen. Na nicht mein Ver­mögen. Nein — die Men­schen. In mög­lichst viele Gruppen. Und diese dann ganz gepflegt gegen­ein­ander aus­spielen. Alte gegen Junge, Arbeiter gegen Arbeits­lose, Gesunde gegen Kranke, Dünne gegen Dicke — da sind der Fan­tasie keine Grenzen gesetzt.

g) Kritik an Ein­zel­heiten des Sys­tems erlauben, am System selbst nicht. Alles, was das System selbst in Frage stellt, wird ver­schwiegen, lächer­lich gemacht, unter­wan­dert oder mit dem Was­ser­werfer fortgespült.

Und bei allem würde ich immer schön im Hin­ter­grund agieren. Keine Namen, keine Fotos, keine Inter­views, keine Ver­mö­gens­auf­stel­lungen, keine Über­sichten über Betei­li­gungen. Nichts.

Abschlie­ßend noch eine Auf­gabe für Sie, liebe Leser: Schließen Sie ihre Augen, stelle Sie sich vor, Sie wären ein DSM.

WAS WÜRDEN SIE TUN?

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